Joomla und WordPress gehören zu den meistgenutzten Content-Management-Systemen weltweit. Auf den ersten Blick erfüllen beide ähnliche Aufgaben: Inhalte publizieren, strukturieren und für Suchmaschinen zugänglich machen. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich jedoch deutliche technische Unterschiede – insbesondere in der Gliederung des Contents und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Suchmaschinenoptimierung (SEO).

Architektur und Content-Gliederung

WordPress basiert historisch auf einem Blogging-System und gliedert Inhalte in Beiträge und Seiten. Beiträge lassen sich über Kategorien und Schlagworte (Tags) strukturieren, während Seiten eher statische Inhalte abbilden. Zusätzlich entstehen durch den Core automatisch verschiedene Archivseiten (Kategorie-, Tag-, Datum-Archive) sowie eigene URLs für hochgeladene Medien (Attachment-Pages). Damit generiert WordPress viele eigenständige Unterseiten, die nicht immer inhaltlich sinnvoll sind.

Joomla setzt dagegen von Beginn an auf ein strukturiertes Kategoriensystem und ordnet Inhalte in Artikel ein, die über Menüeinträge gesteuert werden. Eine Seite wird erst dann für den Besucher und für Suchmaschinen sichtbar, wenn sie aktiv in der Navigation oder über einen direkten Menülink eingebunden ist. Automatisch erzeugte Zwischen- oder Archivseiten kennt Joomla in dieser Form nicht.

Tabelle 1: Tabellarische Übersicht der wichtigsten technischen Unterschiede zwischen Joomla und WordPress
BereichWordPressJoomla
Architektur Monolithisch, weniger strikte Trennung zwischen Logik & Design MVC-Framework, klare Trennung (Model-View-Controller)
Datenbank MySQL/MariaDB MySQL/MariaDB, teilweise PostgreSQL
Template-System Einfach (PHP-Funktionen in Templates) Komplexer, Layout-Overrides, sauberer getrennt
Content-Struktur Beiträge + Seiten (+ Custom Post Types) Artikel + Kategorien + Menüeinträge (zentral)
Benutzerverwaltung 5 Standardrollen, erweiterbar über Plugins Sehr feingranulares ACL-System im Core
Erweiterungen Plugins + Themes, riesiges Ökosystem Komponenten + Module + Plugins, strukturierter, kleinere Auswahl
Mehrsprachigkeit Nur mit Plugins richtig nutzbar Im Core integriert, sehr stark
SEO Sehr plugin-basiert (z. B. Yoast, RankMath) Grundfunktionen integriert, erweiterbar
Eignung Blogs, Marketingseiten, kleinere bis mittlere Websites Komplexe Portale, Intranets, Community-Websites, mehrsprachige Projekte
Sicherheit Große Angriffsfläche durch Plugins und Verbreitung Kleinere Angriffsfläche, ACL und Core stabiler
Lernkurve Flacher, schneller Start Steiler, erfordert mehr Einarbeitung

Technische Auswirkungen auf die Suchergebnisse

In der Praxis führt diese unterschiedliche Content-Architektur zu klaren Konsequenzen für das Ranking in Google & Co.:

Wordpress

WordPress erzeugt automatisch viele zusätzliche URLs (Archive, Tags, Attachment-Pages). Diese erscheinen häufig als „Thin Content“ oder Duplicate Content in den Suchergebnissen. Ohne aktive Gegenmaßnahmen – etwa per SEO-Plugin oder robots.txt – tauchen Inhalte auf, die für Nutzer keinen Mehrwert bieten. Das kann die Sichtbarkeit einer Website verwässern.

Tabelle 2: WordPress – automatische Content-Gliederung
EbeneInhaltstypBeschreibungURL-BeispielErzeugung
1 Startseite Zentrale Landing Page, Blog oder statische Seite / Benutzer
2 Beiträge (Posts) Chronologische Inhalte, erscheinen im Blog-Loop /mein-beitrag/ Benutzer
2 Seiten (Pages) Statische Inhalte, hierarchisch verschachtelbar /ueber-uns/ Benutzer
2 Medien (Attachments) Eigene Seite für jedes hochgeladene Medium /mein-bild/ System
3 Kategorie-Archive Listenansicht aller Beiträge einer Kategorie /category/news/ System
3 Tag-Archive Listenansicht aller Beiträge mit gleichem Schlagwort /tag/seo/ System
3 Datum-Archive Archivseiten nach Jahr/Monat/Tag /2023/08/ System
3 Attachment-Seiten Einzelansicht eines Mediums (meist leer) /mein-bild/attachment/ System
3 Paginierungen Unterseiten für lange Listen (z. B. Blogseiten) /page/2/ System

Man erkennt klar:

  • Benutzer erzeugt bewusst: Startseite, Beiträge, Seiten.
  • System erzeugt automatisch: Medienseiten, Archive, Attachments, Paginierungen.

Genau diese automatischen System-URLs sind in WordPress der Grund, warum Google oft „ungewollte“ Suchergebnisse indexiert.

Joomla

Joomla zeigt in den Suchergebnissen in der Regel nur die Inhalte, die explizit über Menüs veröffentlicht werden. Damit sind die Ergebnisse oft kuratierter und inhaltlich sauberer, was eine präzisere Steuerung der Indexierung ermöglicht.

Tabelle 3: Joomla – Content-Gliederung
EbeneInhaltstypBeschreibungURL-BeispielErzeugung
1 Startseite Zentrale Landing Page, über Menüeintrag definiert / Benutzer
2 Kategorien Ordnen Artikel in hierarchische Strukturen, können als Kategorie-View angezeigt werden /kategorie/news/ Benutzer
2 Artikel Einzelne Inhalte, müssen einer Kategorie zugeordnet sein /kategorie/artikel-1/ Benutzer
2 Menüeinträge Steuern die Sichtbarkeit und URL-Struktur (z. B. Artikel, Kategorie, externe Links) /unternehmen/ueber-uns/ Benutzer
3 Module Inhaltselemente (z. B. Login-Box, Banner), erscheinen nur, wenn im Template-Layout platziert / (in Seite integriert) Benutzer
3 Komponenten-Views Funktionale Erweiterungen (z. B. Kontaktformular, Suchseite) /kontakt/ Benutzer
3 Mehrsprachigkeit Sprachspezifische Menüeinträge/Artikel, automatisch mit hreflang verknüpft /de/unternehmen/, /en/company/ Benutzer

Wichtiger Unterschied zu WordPress:

  • In Joomla werden alle indexierbaren URLs bewusst durch den Benutzer angelegt (über Artikel + Menüeinträge).
  • Es entstehen keine automatischen „Neben-URLs“ wie Tag-Archive, Datum-Archive oder Attachment-Seiten.
  • Das sorgt für eine saubere, kuratierte Indexierung bei Google.

Qualität des generierten Codes

Auch im Hinblick auf die Qualität des HTML-Codes unterscheiden sich beide Systeme. Joomla verwendet eine klare MVC-Struktur und bietet durch Layout-Overrides eine saubere Trennung von Logik und Darstellung. Das resultiert oft in kompakterem und semantisch korrektem Markup.

WordPress hingegen neigt – insbesondere bei Nutzung von Gutenberg oder Page-Buildern – zu verschachteltem Markup mit vielen Wrappern und Inline-Styles. Mit maßgeschneiderten Themes und disziplinierter Plugin-Auswahl lässt sich jedoch auch WordPress sehr sauber betreiben.

Fazit

WordPress punktet mit schneller Umsetzung, riesigem Ökosystem und einfacher Handhabung, erzeugt jedoch automatisch viele Neben-URLs, die ungewollt in Google auftauchen können.

Joomla bietet eine strukturierte, kuratierte Content-Architektur mit klaren Menüsteuerungen, was zu einer besseren Kontrolle über die Indexierung und oft saubererem Code führt.

Für kleine bis mittlere Projekte ist WordPress dank der schnellen Erweiterbarkeit meist die erste Wahl. Für komplexe Portale, mehrsprachige Seiten und Projekte mit differenzierter Benutzer- und Rechteverwaltung bietet Joomla jedoch die technisch stabilere Grundlage.

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